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Sicherheit – wie ist das mit der Sicherheit in Brasilien?


Bootsfahrt vom Praia dos Sonos nach Ponta Negra

Als Reiseplaner für private Endkunden bekommen wir sehr häufig die gleiche Frage gestellt:


Marco, wie ist das mit der Sicherheit in Brasilien?

Dieser Artikel soll nüchtern und mit Statistiken unterlegt aufklären und gleichzeitig praktische Tipps für unsere Brasilien-Urlauber geben. Wir gehen kurz auf die Lage in der Corona-Pandemie ein, leiten den Zusammenhang zwischen Kriminalität und Einkommensverteilung her und stellen Lösungen für typische Urlaubssituationen vor. Es gibt auch einen Abschnitt für allein reisende Frauen. Alles, um euch eben mehr Sicherheit auf eurer Reise nach Brasilien zu geben.


Wir zeigen natürlich auch subjektive Eindrücke und appellieren an den gesunden Menschenverstand und Respekt vor fremden Kulturen. Schließlich müsst ihr nicht allein in einer Favela umherdümpeln und Präsident Jair Messias (!) Bolsonaro holt euch nicht persönlich vom Flughafen Rio de Janeiro (Galeão oder GIG) ab.


Lösungsorientiert wollen wir das Thema mit euch zusammen angehen, denn eines ist klar: Brasilien ist trotz Corona-Pandemie (Sars 2 Covid 19) immer noch ein Reiseland der Träume. Auf der anderen Seite muss man schon etwas aufpassen, weil es eben kein Industrieland wie Deutschland ist. Da wo arm und reich dicht aneinander geraten, knallt es ab und zu. Sicherheit gehört bei uns an oberster Stelle.


Ich selbst habe seit 2013 nur drei Kriminalitätsvorfälle gehabt, alle nicht in Brasilien, sondern zwei in Ecuador (versuchter Raubüberfall, Handy aus der Hosentasche im Bus geklaut) und einmal Argentinien (Handy im Taxi verloren und nicht wiederbekommen). Wenn man bei Letzterem überhaupt von Kriminalität sprechen kann.


In diesem Artikel



Die Lage in der Corona-Pandemie (Sars 2 Covid 19)

Über Corona-Maßnahmen einzelner Anbeiter in der Tourismusbranche und wie sie ihre Besucher schützen, findet ihr in diesem Post:



Ich habe einen weiteren Artikel über meine Zeit (und wie man sich in Brasilien trotz Einschränkungen bewegen konnte) von Dezember 2020 bis Februar 2021 inklusive automatisch aktualisierender Durchimpfungsrate geschrieben:




Wer sich über die wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Pandemie (Sars 2 Covid 19) informieren will, kann rüber zu meiner Business-Seite gehen (da wird es ökonomisch/technisch):



Generell ist zu sagen, dass Brasilien leider fast kein soziales Netzwerk hat, wie wir es von Deutschland und anderen EU-Staaten kennen. Wir treffen unzählige Uber-Fahrer, die während der Corona-Pandemie ihren Hauptjob verloren haben und nun (notgedrungen oder auch Gott sei Dank) ihr Auto zum Uber-Taxi umfunktionieren.





Eine Kollegin aus der Tourismus-Branche fährt ihre eigenen Pizzen aus und viele werden so schnell kreativ, um trotzdem über die Runden zu kommen und für ihre Familie zu sorgen.


Das zeigt uns das Erfindungsreichtum, mit dem sich viele Brasilianer nicht zum ersten Mal während einer Krise neu erfinden müssen.

Rücklagen konnten nur die wenigsten bilden.


Im Großraum Sao Paolo haben ca. die Hälfte der Kleinunternehmen schon nach 21 Tagen ihre Cash-Reserven aufgebraucht.

Das heißt: wenn die Kacke am Dampfen ist, brauchst du schnell eine neue Einkommensquelle.

Viele, die in der Lage sind, denken daher zumindest an Immobilien, um sich weiter zu diversifizieren.


Im November 2020, als noch nicht klar war, ob ich mit meiner Familie den Jahreswechsel in Porto de Galinhas verbringen konnte, schrieb mich unsere Airbnb-Vermieterin an, um uns in eine andere Unterkunft zu bringen. Sie müsse das Objekt, was wir eigentlich anmieten wollten, verkaufen.


Andere stürzen in die Armut ab und müssen Straftaten aus Hunger und Not begehen, gefährden die Sicherheit aller anderen. Die Versorgung der Obdachlosen ist eigentlich gesichert. Niemand muss auf der Straße wohnen, aber in den Notunterkünften gibt es extrem viel Kriminalität unter den Obdachlosen, sodass es für manche weiterhin Sinn macht, auf der Straße zu schlafen. Gerade im Stadtgebiet in Curitiba, wo wir meistens wohnen, fallen die erhöhten Zahlen der Obdachlosen auf.


Zusammenhang Kriminalität und Einkommensverteilung


Schauen wir uns zunächst einmal die Kriminalitätsraten einzelner Länder an. Ich bin kein Freund von nominalen Zahlen, wenn man Beispielsweise Erkenntnisse wie Corona-Fallzahlen veröffentlichen will. Wir müssen hier nominale Zahlen im Vergleich zu einer Referenzzahl sehen, etwa die der Gesamtbevölkerung.


Im Fall der Kriminalitätsrate in Brasilien hat man uns die Arbeit abgenommen:


Hier sieht man sehr gut, dass Brasilien im Kriminalitätsindex bei 68 liegt. Vergleichen wir diesen Wert mit Deutschland (35), liegen wir hier bei doppelt so vielen Straftaten im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung. Ein typisches Problem eines Schwellenlandes, das nicht wegzudiskutieren ist. China (31) ist hier unter den sogenannten BRICS-States (Brasilien, Russland, Indien, China, Südafrika) der Spitzenreiter und Südafrika mit einem Wert von 77 der schlechteste. Unter 20 kommt derzeit kein Land, aber die Länder die einen Wert von unter 22 aufweisen, also viel Sicherheit bieten, sind Oman, Japan, die Schweiz, Georgien und Slovenien.


Bei Numbeo, einer Open-Source-Plattform für Lebenshaltungskostenvergleiche, finden wir ähnliche Werte für Brasilien und sogar einzelne Tatbestände aufgeschlüsselt:


So zählen hier bewaffnete Raubüberfälle, Korruption, Diebstahl und Vandalismus zu den am häufigsten genannten Tatbeständen.


Was man auch tendenziell sagen kann, ist, dass die Kriminalität in den wirtschaftlich schwächeren Bundesstaaten höher ist. Das dürfte sich in der Corona-Pandemie noch verschärft haben.

Weiterhin kann man auch die Kriminalitätsraten einzelner Städte finden. Als touristische Destinationen fehlen mir Manaus und Foz do Iguaçu, dafür gibt es aber Zahlen für die Touristenmagneten Rio de Janeiro und Salvador. Auch unsere Heimat Curitiba ist vertreten. Demnach ist Rio de Janeiro auf einem Niveau wie Südafrika oder Afghanistan.


In beiden Ländern war ich selbst noch nicht. Viele unserer Besucher waren vor Brasilien schon in Südafrika. Das hilft immer, um die Situation besser einzuschätzen.

Wer eine Straftat erleidet, ist dabei aber egal. Diese Statistiken machen keinen Unterschied zwischen Einheimischen und Besuchern.


Allermeistens trifft es die Einheimischen.

Ein Freund aus Curitiba ging mal mit vollen Einkaufstüten aus einem Supermarkt raus. Ihm wurden die Tüten kurzerhand aus den Händen gerissen. Seitdem meidet er diesen Supermarkt und das Viertel. Die meisten Brasilianer machen solche ähnlichen Erfahrungen und lernen recht schnell und versuchen, Verhaltensweisen zu ändern. Dem Verbrecher ist es jedenfalls egal, ob ihr Ausländer oder Brasilianer seid. Wer sich nicht richtig verhält, erhöht die Möglichkeit Opfer zu werden und gefährdet seine Sicherheit. Wie man sich richtig verhält, erklären wir im Abschnitt über Tipps für Besucher.


Kommen wir zu einer der schlimmsten Straftat: einem Mord.


Im Diagramm sieht man verschiedene Todesursachen global,


wobei der Mord als einen der größten Killer der Menschheit gesehen wird.

Betrachtet man nun die Mordzahl Brasiliens 1990 (knapp 40.000) und 2017 (knapp 64.000) so ist das ein Anstieg von 60% (ohne Einbezug der steigenden Bevölkerungsentwicklung). Nun müssen wir wieder einen Referenzwert finden. Nehmen wir beispielsweise Krebs in 1990 (knapp 110.000) und schauen uns die Zahl von 2017 (knapp 245.000) an, stellen wir fest, dass wir hier einen Anstieg von 122% sehen.


Tod durch Krebs stieg also im Zeitraum von 27 Jahren doppelt so hoch an, wie Tod durch Mord.

Im zweiten Diagramm wird es schon kritischer, denn es zeigt, dass die Hauptursache für Tod unter 15 bis 49 Jährigen der Mord ist und das mit großem Abstand. Mord in dieser Altersgruppe ist um 60% von 1990 bis 2017 gestiegen. Das ist erschreckend, ohne Zweifel!


Weniger als 1 % der weltweiten Todesfälle sind auf Tötungsdelikte zurückzuführen, aber in einigen Ländern sind es fast 10 %. In Lateinamerika gibt es ohne Zweifel die meisten Tötungsdelikte. Vergleichen wir die Zahlen der Tötungsdelikte in Lateinamerika mit denen von Westeuropa, Japan oder dem mittleren Osten, stellen wir fest, dass die Gefahr in Lateinamerika etwa 50-fach so hoch ist. Zum Beispiel haben wir 30 bzw. 50 Tötungsdelikte pro 100.000 Einwohner in Mexiko und El Salvador. Nun bringen wir das wieder in eine Perspektive.


Schauen wir uns dazu das Langzeitdiagramm über Tötungsdelikte in West-Europa seit dem 14. Jahrhundert an.



Sehr schön können wir erkennen, das mit mehr Fortschritt (Wohlstand) die Tötungsraten bis fast auf Null gehen. Im 14. Jahrhundert waren Tötungsraten von 23 bis 56 pro 100.000 Einwohner Gang und Gebe. Die Sicherheit der Bevölkerung war gefährdet.


Sind Mexiko und El Salvador nun auf einem Niveau mit dem West-Europa aus dem 14. Jahrhundert?

Nein, aber wir sehen wahrscheinlich einen Zusammenhang zwischen Fortschritt, Einkommensverteilung, Wohlstand und Tötungsdelikten. Die neue Welt wurde gerade entdeckt und brachte viel Schlimmes über Lateinamerika. Im Gegenzug verbesserte sich die Lebenssituation in West-Europa.


In diesem Chart sieht man sehr gut, dass die Tötungsdelikte zwischen 1800 – und 2010 in Europa kaum mehr zunahmen und nur in den beiden Weltkriegen anstiegen.


Warum aber steigt die Kurve in Brasilien ab 1977 so dramatisch an und warum fällt sie in Südafrika ab 1995?


Von 1964 bis 1985 befand sich Brasilien in einer Militärdiktatur, die sich erst moderat und in den letzten 10 Jahren sehr heftig über Zensur, Widerstandskämpfe, rigorose Verletzung der Menschenrechte, Folter, Verschleppung und Verbannung vieler ins Exil definierte. Die Zeit danach war schwer und immer wieder durch Unruhen begleitet. Seit 2003 sinkt die Zahl und befindet sich 2010 auf dem Niveau von 1990.


Im Fall Südafrikas haben wir es mit einer anderen, aber nicht minder schweren Repression, eines Teils der Bevölkerung zu tun: der Apartheit, die 1994 endete und die Periode danach zeigt deutlich sinkende Todeszahlen bis 2010 auf.


In beiden Fällen sehen wir, dass Freiheitsbeschränkungen, Zensur und Repression sich direkt auf die Wohlstandsentwicklung eines Landes auswirken. Die Mordraten steigen. hier ein Video-Abschnitt mit Mike Maloney, der den Zusammenhang zwischen Freiheit und Pro-Kopf-Einkommen anhand von Grafiken erklärt:



Die Einkommensverteilung (GINI-Index), also auf wie viele Menschen sich das Einkommen einer Volkswirtschaft konzentriert, kann auch als Indikator für gesellschaftlichen Wohlstand herangezogen werden. Da sehen wir, dass es einen großen Unterschied zwischen Industrieländern und Schwellenländern gibt. In den Industrieländern ist der Wohlstand weitaus gerechter verteilt als in Schwellenländern.


Zumindest im Fall von Brasilien ist zu sagen, dass sich das Einkommen seit 1989 besser verteilt als zuvor.

In einer Studie vom September 2020 mit Daten aus dem Zeitraum 2000 – 2014 geht hervor, dass Faktoren wie Größe einer Stadt und regionale Wirtschaftsleistung eine wichtige Rolle bei der Entstehung von Morden sind. So kam man zur Schlussfolgerung, dass es weniger Morde pro 100.000 Einwohner in Städten mit über 250.000 Einwohnern gab und die Mordraten deutlich in Städten mit unter 25.000 Einwohnern anstiegen. Die wirtschaftlich schwächeren Bundesländer wie Ceará, Alagoas, Paraíba, Rio Grande do Norte, Sergipe und Bahia zeigten deutlich höhere Mordraten auf als die wirtschaftlich stärkeren Bundesländer Rio de Janeiro, Sao Paolo und Espirito Santo.



Daraus geht hervor, dass wir in Brasilien noch Städte haben, in denen es wie im Wilden Westen zuzugehen scheint, wo sich aber gleichzeitig sehr wenige Besucher verirren.

An der Nordostküste ab Bahia steigen die Zahlen an, wo wir vielen Besuchern einen Aufenthalt beispielsweise in touristischen Orten Salvador de Bahia oder auch an Traumstränden wie Porto de Galinhas oder Jericoacoara planen, wo die Sicherheit gewährleistet ist.


Welche Maßnahmen treffen wir, damit es unseren Besuchern jederzeit an nichts fehlt?

Die Chance, dass etwas passiert ist also auch in Brasilien immer noch gering. Wir sind uns der wirtschaftlichen Situation der einzelnen Regionen bewusst und geben alles, um auch die letzten Prozent Wahrscheinlichkeit rauszunehmen. 100%ig kann man das natürlich nicht.


2019 hatten wir im Direktkundenbereich einen Fall in Rio, wo ein Besucherpärchen an der Copacabana schlenderte und beobachtet hat, wie einer anderen Touristin das Goldkettchen fahrenden Motorrates vom Hals gerissen wurde. Ansonsten ist nichts bei unseren Besuchern passiert. Zu Schmuck kommen wir später in den Tipps für Besucher noch.


Wir machen unter anderem diese Dinge, um unsere Besucher vor Kriminalität zu bewahren

  • Abholung vom Flughafen: nur in seltenen Fällen wollen unsere Kunden selbst mit dem Shuttle/Uber/Taxi/Leihwagen zum Hotel fahren. Normalerweise organisieren wir einen Guide, der unsere Besucher meistens auch in den nächsten Tagen begleitet. So geht man sicher, dass wir regionales Wissen gleich an die Besucher weitergeben, dass sie sicher zum Hotel kommen und dass sie während der Fahrt zum Hotel einen tollen Einstieg in die jeweilige Region und seine Menschen bekommen.

Meine Mutti steigt aus dem Fahrzeug eines Transportunternehmens aus.
  • Unsere Guides durchlaufen ein individuelles Training im Umgang mit Besuchern, schwierigen Situationen, Erste-Hilfe, etc. Sie kennen sich hervorragend in der Region aus, haben lokale Freunde und Familie. Sie sind über regionale Partner engagiert, die sehr genau auf Wissen und Qualifikation achten. Sie müssen auch eine staatliche Prüfung ablegen. Drei Parteien sind also mindestens bei der Auswahl der Guides dabei und wir fordern auch viel Feedback über unsere Guides nach Ausflügen ein, damit wir die höchste Qualität sicherstellen.

  • Kontaktdaten: Im Beratungs- und Buchungsprozess nehmen wir Kontaktdaten unserer Besucher und von mindestens einem Angehörigen auf, der Zuhause ist. Bei Problemen in Brasilien jeglicher Art, läuft die Kommunikation entweder über die Telefone der Hotels oder über die Handy, bzw. Whatsapp/Telegram - Nummer der Besucher. Wir selbst bieten eine 24h-Notfallrufnummer dem Kunden bereit, auf der er sich melden kann. So stellen wir sicher, dass die Besucher auch während ihrer Reise mit uns in Kontakt stehen. Von den meisten Besuchern hört man während der Reise nichts. Das ist ein Zeichen, dass alles glatt läuft.

  • Hotels: wir arbeiten mit einer Handvoll persönlich ausgewählter Hotels und Pousadas zusammen, mit denen wir über Jahrzehnte gute Beziehungen aufgebaut haben.

In den größeren Städten sind die Hotels meist umzäunt, mit Elektro- und Stacheldrahtzaun und zudem noch mit Wachpersonal geschützt. Das mag dem einen oder anderen befremdlich vorkommen, tut dem Reisevergnügen aber nicht viel an.


In den Zimmern legen wir wert auf einen Safe für eure Wertsachen. Die Hotels selbst setzen vermehrt auf Schulungen des Personals und faire Bezahlung, sodass die Versuchung zu stehlen, sehr gering ausgeprägt ist.

  • Restaurants: Lebensmittelvergiftungen kommen vor, aber sehr selten unter unseren Besuchern. Wir verbieten euch nicht, von Straßenständen oder auf den Märkten lokale Spezialitäten zu kosten. Ganz im Gegenteil: wir empfehlen euch gerne authentische Bars und Restaurants, die mit viel Liebe für euch sorgen. Geht ins solche Bars und Restaurants, wo es viel Bewegung und viele Leute gibt. Dann ist das Essen meistens gut. Lasst euch von uns auch gerne für eine Foodtour beraten, um die leckersten Straßensnacks sicher zu genießen. Unsere Guides kennen sich da sehr gut aus.

  • Viertel: Wir setzen auf die Viertel mit guter Mikrolage mit Restaurants, Bars, Apotheken und Geschäften, die auch viel von Einheimischen zum Feierabend besucht werden. Wir achten darauf, dass wir unsere Besucher nicht unbedingt in die dunkelsten Gassen schicken, um zum Hotel zu gelangen. Da wo etwas los ist und man sich unter die Leute mischen kann, sind zwar auch Langfinger, aber man ist unter Gleichgesinnten: Einheimische wie Besucher.

Tipps für Besucher

Wenn man beim Auswärtigen Amt vorbeischaut, ist die Liste an Kriminalitätsdelikten lang und gruselig. Wir versuchen, auf die wichtigsten Regeln einzugehen.


Dokumente/Portemonnaie/Kreditkarten


Meine Freundin kritisiert mich manchmal, weil ich meinen Ausweis bei Bar- oder Clubbesuchen nie mithabe. Die Rennerei ist groß, wenn der Pass, viel Bargeld oder die Kreditkarten verloren gehen oder gestohlen werden.


Unsere Tipps:

  • Eine Kopie vom Reisepass im Portemonnaie dabeihaben

  • Nur so viel Bargeld Abends mitnehmen, wie man ungefähr ausgeben möchte (jedenfalls nicht alles)

  • Kreditkarten im Hotelsafe lassen (solang wir noch mit Bargeld zahlen können)

  • Grundsätzlich solltet ihr eure Wertsachen eng am Körper tragen.

Geld abheben


Kreditkarten nutze ich eigentlich nur, um an allen großen brasilianischen Banken Geld abzuheben. Dafür muss ich die Karten mitnehmen. Ich gehe tagsüber zur Bank und hebe das Geld am Automaten ab.

  • Geld in der Bank zählen und sicher verstauen (nicht in der Hosentasche)

  • Wenn es geht, zu zweit gehen, allein passiert aber auch nichts.

  • Auf direktem Weg zurück zum Hotel und Geld und Kreditkarte wieder sicher verwahren.

Schmuck (Erscheinungsbild generell)


Einige finden nur im Urlaub Zeit und Lust, sich herauszuputzen und auch mal ein besonderes Schmuckstück zur Schau zu tragen. Die meisten Brasilianer machen das natürlich auch, das werdet ihr sehen. Überlegt euch aber, ob ihr Schmuck oder andere Accessoires von hohem Wert in ein Land mitnehmt, in dem ihr euch aktiv bewegen wollt.


Aktiv sein wollen die meisten unserer Kunden und verzichten daher auf teuren Schmuck. Ein schickes Hemd/Kleid, schöne Schuhe sind auch ok. Meine Freundin kauft sich generell Schmuck, der günstig ist und den man auch verlieren kann. Hauptsache es glitzert schön. Den richtigen Schmuck versteckt man zuhause. Da freue ich mich immer, wenn es in solchen „Mädchen-Läden“ einen Männer-Sitzplatz gibt (Espaço Homen habe ich den getauft 😊).


Rucksack/Taschen/Hosentaschen



Selbstversuch 2013 in Quito: ein wertloses Stückpapier in die Hosentasche und dann rein in den überfüllten Bus in der Rushhour durch die Innenstadt. Beide Hände an Griffe zum Festhalten, alle stehen extrem dicht gedrängt. Tatsächlich fummelt mir da einer in meinen Taschen rum, ich kann es genau spüren. Beim Aussteigen ist der wertlose Zettel weg.


Rucksäcke, Taschen und Hosentaschen sind gute Hilfsmittel. Wenn man sie richtig einsetzt, sollte nicht allzu viel passieren.


Bei Menschenansammlungen und dicht gedrängten Menschengruppen gilt aber:

  • nehmt eure Rucksäcke vor den Bauch, ein Arm sollte über dem Rucksack abgelegt werden. Beim Packen müsst ihr darauf achten, dass Wertgegenstände wie Portemonnaies oder Handys nicht in den äußeren Taschen liegen sondern eher innen.

Einer Freundin wurde das neue und noch nicht mal abbezahlte Smartphone im Bus aus einer Außentasche am Rucksack rausgeschnitten während sie mit mir sprach. Zwei Probleme: erstens kauft man kein Smartphone auf Pump, zweitens hat sie den Rucksack auf dem Rücken gehabt und das Handy in einem Außenfach.

Taschen, die offen sind, sollten irgendwie geschlossen sein. Zu einfach wollen wir es den Langfingern nun doch nicht machen.

  • Alles was Wert hat, nimmt man aus den Hosentaschen raus und rein in das Innerste eures Rucksackes.

Was ich oft in Lateinamerika und Brasilien sehe ist, dass die Mädels ihre Seitentaschen an den Hosen nicht benutzen (kein Platz) und daher ihre Handys in die Tasche am Hintern stecken. Die (also die Smartphones) sind mittlerweile so groß, dass die Hälfte rausguckt. Wer hier später rumjammert, hat es nicht anders verdient!


2014 in Kolumbien haben wir mit meinem Bruder gelernt: „Papaya“ : macht es dem Langfinger nicht zu einfach und überlegt immer, ob ihr gerade ein einfaches Ziel seid oder nicht.


Zu zweit habt ihr immer ein Auge aufeinander und könnt euch an unsere Tipps gegenseitig erinnern.


Smartphones/Tablets


Smartphones, Tablets und andere smarte Geräte sind so ziemlich das Wertvollste an einem Stück, handlich und kompakt, was man in Lateinamerika sieht. Einmal gestohlen, geht der Dieb auf den nächsten Schiebermarkt und verkauft die Ware im Handumdrehen. Solche Märkte kann man übrigens auch selbst besuchen. Hehlerware ist auch oft in kleineren Shoppingzentren zu finden, die Polen-Markt-ähnlichen Charakter haben. Als mir mein Handy in Buenos Aires im Taxi verloren gegangen war, habe ich mir auf einen solcher Märkte ein Gebrauchtes gekauft. Kontaktdaten, Spielstände vom Vorgänger inklusive. Das war garantiert ein Geklautes.


Steht nicht zu lang irgendwo rum und schaut auf Apps, um einen Weg zu finden. Geht dazu am besten in ein offizielles Gebäude oder schaut schon beim Ausgangspunkt (Restaurant, Hotel) wie der Weg weitergeht. Generell ist aber zu sagen, dass auch die Brasilianer fast jeder ein Smartphone haben und auch damit in der Stadt rumlatschen.

Lasst solche Dinge auch nicht unbeobachtet aber sichtbar irgendwo liegen (auf dem Tisch im Resutaurant, Bar, etc.).


Meine Freundin hat ihr Handy in Boa Viasta (Roraima) in der Windschutzscheibe eines Autos liegen gelassen, um „mal kurz baden zu gehen“. Das lässt sich der Langfinger nicht zweimal sagen. Die Scheibe war eingeschlagen und das Handy weg. Wieder ein Doofheitsfall, den sie nie wieder begehen wird.


Kameras


Große DSLR Spiegelreflexkameras waren vor 10 Jahren noch der Renner, heute nimmt die Nachfrage ab, weil die Smartphone immer bessere Kameras integriert haben. Wer aber doch auf Post-Editing im RAW-Format steht und Hobbyfotograf ist, sollte auch seine DSLR/SLR Kamera ruhig mitnehmen. Die fällt natürlich auf und sollte ebenfalls niemals unbeobachtet irgendwo liegen gelassen werden.


Trotzdem habe ich auch in Favelas zusammen mit meinem Vater Fotos damit gemacht und gefilmt. In einer Ausflugsgruppe passiert auch nichts. Wir haben aber eine Regel gehabt: wenn wir Abends ausgehen, dann nehmen wir nur die kleine Digi-Cam mit. Das war uns dann doch zu heiß, auch weil wir im Urlaub auch mal paar Bierchen trinken und wir dann nicht mehr ganz so doll aufpassen. Das hat super geklappt. Eine kleine, wasserfeste Digi-Cam macht eh Sinn, weil ihr dann auch viel Action einfangt, bei denen ihr die DSLR nicht rausholen wollt.


Selfies mit Smartphone und Selfiesticks sind ok, denn alle anderen machen das auch. Aber rechtzeitig wegziehen, wenn einer danach grabschen will. Aufpassen müsst ihr auch hier.


Fotos vom Essen müssen aber schon gemacht werden.

Am Strand


In Strandbekleidung kann man die letzten 100m zum Strand gehen, schaut einfach wie die Einheimischen gekleidet sind, die auch zum Strand wollen. Ihr werdet nicht sehr viele Wertgegenstände mitnehmen, außer Handy, Kamera wenn nötig und etwas Geld. Dafür nutzt ihr am Besten eine kleine Tasche. Auf die muss dann einer aufpassen, während die anderen planschen gehen. Wenn ihr keine Wertsachen mitnehmt, könnt ihr alle zusammen ins Wasser.


In Ecuador (schon wieder) kamen so meine Flip Flops weg. Mehr hatte ich nicht dabei. Aber Strandsachen wie Handtücher, etc. klaut normalerweise keiner.


Ein bisschen Bargeld dabei zu haben macht Sinn, weil ihr vielleicht einen Caipirinha von der Strandbar, oder einen Grillkäse von einem Verkäufer oder sonst irgendetwas kaufen wollt.


Ein Caipirinha-Verkäufer an der Copacabana, Rio de Janeiro

Ein Hinweis von Markus, unserem deutschen Guide in Salvador: Sommer, Sonne und Strand sind eines der wichtigsten Argumente, um nach Brasilien zu kommen. Unterschätzt mir aber die Sonne nicht. Wenn ihr euch am zweiten Tag heftig verbrennt, wird es kein angenehmer Urlaub.


Am Strand gibt es oft die Möglichkeit, Sonnenschirme auszuleihen.

Meine Strategie mit einem UV-Shirt geht gut auf, denn so braucht man nur für das Gesicht Sonnencreme. Da macht man gleich noch etwas für die Umwelt.


Taxi/Uber + ähnliche


Meine ersten Besuche in Brasilien 2013 und 2015 sind noch mit dem ein oder anderen Taxi passiert. Spätestens 2020 gab es nur noch schicke Limousinen für Hochbetuchte. Das gemeine Volk nutzt jetzt Uber oder Ähnliches, wenn es selbst nicht fahren will oder kann. Die App 99Pop ist der brasilianische Ableger, wobei Uber einwandfrei auch funktioniert und die meisten Fahrer eh beide Apps laufen haben. In Deutschland können wir nach meinem Wissensstand nur in Großstädten von Uber Gebrauch machen. Meldet euch schon vor der Brasilien-Reise an, damit ihr dort auch auf Uber zugreifen könnt. W-LAN reicht.


Ich habe noch keine schlechten oder gar schlimme Erfahrungen mit Uber und 99Pop gemacht, doch es gibt immer wieder Geschichten, wo Passagiere ausgeraubt wurden. Sucht am besten nach einem Fahrer mit vielen Fahrten und guter Reputation. 99.9% ist das eine Supersache und ihr kommt glücklich an.


Gerade Abends solltet ihr auch keine 200m in irgendwelchen dunklen Nebenstraßen laufen. Ruft euch lieber einmal mehr einen Uber. Allerdings sind die meisten gut beleuchteten und von Passanten noch besuchten Straßen und Fußgängerzonen Abends auch ok.


Falls ihr doch eher auf Taxis steht, fragt nach verlässlichen Taxifirmen am besten in den Unterkünften, die wir für euch organisieren. Zur Not kann man auch den Barmann spät Nachts fragen.


Lebensmittelvergiftungen


Bei Lebensmitteln ist das so eine Sache, denn da kann es sehr schnell zu individuell werden. Fakt ist, dass ihr immer bestimmte Lebensmittelallergien oder Vorlieben (vegan, vegetarisch, etc.) angeben könnt. Es gibt mittlerweile sehr viele leckere vegetarische/vegane Angebote in den häufig besuchten Regionen.


Grundsätzlich solltet ihr immer schauen, ob eine Bar/Restaurant auch gut von Einheimischen besucht ist, denn das heißt, dass es wirklich lecker ist, fernab von Einträgen im Reiseführer. Greift gern auch auf unsere Restauranttipps für das ganze Land zurück. Auch in den Hotels wird euch nichts passieren.



Vorsichtiger sollte man bei Straßenständen und auf Märkten sein. Man sollte auch hier erstmal keine Angst haben und wieder schauen, ob auch andere Einheimische hier essen/trinken. Ich esse sehr gerne und viel von Straßenständen. Schaut euch auch an, wie Gerichte und Getränke zubereitet werden. Etwas zutode frittiertes kann höchstens in altem Öl gemacht sein. Bei Fleisch und Fisch müsst ihr unbedingt auf den Garpunkt achten und sicherstellen, dass alles durchgebraten ist. Da gab’s bei mir 2013 (schon wieder) in Ecuador, heftige Probleme. Da war ich in meiner Bude 2 Wochen zwischen Essen, übergeben, Durchfall und 5 Minuten nutzen, um neues Essen zu kaufen, bis alles von vorn losging. Das wollen wir vermeiden. Halbwegs offizielle Stände sind aber auch durch das Gesundheitsamt kontrolliert. Das gibt große Sicherheit.


Früchte und frische Säfte, Gemüse und alles was schon Steinzeitmenschen gegessen haben könnten ist ungefährlich. Auch Alkohol von Verkäufern am Strand oder irgendwelche industriell verpackte Snacks. Manchmal gibt es auch selbstgemachtes Eis aus Styroporboxen. Hier wäre ich sehr vorsichtig, weil die Kühlkette von einem Außenbezirk bis zum Strand schon unterbrochen sein kann. Außerdem sind das Milchprodukte, wo man auch nicht weiß, wie alt die schon sind. Zudem gibt es schon eine Bundesweite Linie mit „hausgemachtem“ Eis in den lokalen Supermärkten. Das kann man ruhig kosten. Bei gefrorenem Wasser, dass nicht aus einer Bar/Restaurant oder Supermarkt stammt wäre ich vorsichtig. Haut ansonsten rein! Es gibt so viele tolle, interessante Gerichte und die Muddies und Vaddies, die sie herstellen, sind meistens ganz liebe Leute.


Falls der Stuhl doch mal etwas dünn kommt, können das auch normale Bakterien sein, die euer Körper aber noch nicht kennt. Dann besorgt euch sogenannte „Hydratationssalze“ – „Sais de hidratação“ in der nächsten Apotheke. Das gießt ihr dann mit Mineralwasser auf und trinkt das, bis es besser wird. Von Waldfrucht über Melone bis Tuttifrutti ist alles gleich-eklig, aber es hilft.


Absichtliche Vergiftung mit Drogen in Clubs u.ä.



Die allermeisten kommen nicht nach Brasilien, um heftig Alkohol oder illegale Drogen zu konsumieren. Ein paar Gläschen am Abend ist aber das, was auch den Urlaub schöner macht. Alkohol im Übermaß allerdings macht willenlos und irgendwann ist es einem egal. In einem Stadium der völligen Willenlosigkeit können sehr hässliche Sachen passieren.


Hier nur zwei Dinge:

  1. Immer nur so viel trinken, dass ihr oder eure Vertrauten, euer Glas noch im Blick habt.

  2. Sagt nein zu Drogen, egal wie schwer die Zunge ist.

Es sind Leute schon ins Hotelzimmer mit einer Prostituierten gegangen und morgens ohne Prostituierte aufgewacht und haben weder Anziehsachen, Koffer oder Wertsachen wiedergefunden. Der Nackte Gang durch die Lobby ist eine Geschichte wert, zum Nachmachen aber nicht gedacht.


Prostitution


Einmal fragte mich ein arabischer Kunde, ob ich ihm Frauen in Brasilien besorgen könne. Ich habe ihm daraufhin geschrieben, dass die brasilianischen Mädels recht hübsch und durchaus an fremden Männern interessiert sind, er müsse aber selbst lernen, wie er sie klarmacht. Ganz klar: wir sind keine Zuhälter und besorgen auch keine Frauen.


Lernt selber, wie man sie anspricht und wie man mit ihnen umgeht. Das ist menschlicher.

Wenn es doch nicht anders geht, erwartet von uns keine Hilfe. Verletzungen von Menschenrechten lehnen wir strikt ab.


Auf eure sieben Sachen aufpassen


Kleiner Tipp: packt eure Sachen am Vorabend, wenn ihr wisst, dass ihr die Unterkunft am nächsten Morgen verlassen werdet.


Ich habe das manchmal nicht gemacht und mit vergessenen Hüten bezahlt. Einige unserer Kunden vergessen auch mal was im Hotelzimmer. Eine gelbe Jacke (!) und auch andere Gegenstände von subjektivem Wert. Die Putzdame freut sich.


Einmal wurde eine teure Ray Ban-Brille in einem Taxi liegengelassen. Solchen Dingen telefonieren wir nicht hinterher, weil wir schon beim ersten Versuch keine große Chance haben.


Problemzonen meiden



Das ist einer der wichtigsten Tipps. Mit Problemzonen meinen wir zum Beispiel die Armenviertel (Favelas) von Rio und Sao Paolo oder anderswo. Wer unbedingt nach Cracolãndia will, hat das Bimmeln nicht gehört.


Informiert euch vor der Reise, welche Stadtteile zu vermeiden sind.

Geht niemals allein in eine Favela rein! Falls ihr euch verlaufen habt und euer Bauchgefühl sagt, dass etwas nicht stimmt, nehmt euch ein Taxi oder Uber zu einem nahe gelegenen touristischen Punkt.


Eine Ausnahme gibt es aber: die Favela ist befrieded, hat sich auf Tourismus verständigt und es gibt geführte Touren mit erfahrenen Guides, die die Favela in- und auswendig kennen. Solche Besuche sind augenöffnend, emotional und sehr lehrreich und dürfen eigentlich nicht bei einem Brasilien-Besuch fehlen. So etwas bieten wir euch an. Die Guides und ihre Helfer in den Favelas sind untereinander über Whatsapp oder Ähnliches vernetzt und können sofort kommunizieren, wenn eine Tour aus verschiedenen Gründen nicht gemacht werden kann. Wenn wir uns unsicher fühlen, bieten wir euch auch keine Favela-Tour an. Ein Restrisiko bleibt, was aber überschaubar ist.


der befriedete Teil von Rocinha, Rio de Janeiro


Eindrücke aus einer befriedeten Favela in Rio:



Allein reisende Frauen


Grundsätzlich gelten die gleichen Regeln und Sicherheitshinweise wie für Männer und Pärchen.


Brasilien ist in weitesten Teilen ein eher traditionell-katholisch geprägtes Land. Daher kann es öfter vorkommen, dass allein reisende Frauen nach dem „Ehemann“ (Marido) gefragt werden. Wenn man keinen Marido hat, wird man oft als hilfebedürftig eingeschätzt. Aber nicht falsch verstehen: dass allein reisende Frauen keineswegs hilfebedürftig sind, können wir aus unserer Erfahrung bestätigen.


Frauen dieser Welt, reist um Himmelswillen so viel ihr wollt, lasst euch von solchen Fragen nicht abschrecken. Lasst euch auch keine Angst aus dem Bekanntenkreis machen! Lernt lieber ein paar Sätze Portugiesisch, damit ihr auf diese Frage locker antworten könnt. Wir helfen euch gerne in unserem Sprachkurs dabei.


Mut gehört zum Alleinreisen, ihr habt schon allein deshalb Mut bewiesen, wenn ihr über Brasilien nachdenkt. Viele der Brasilianer helfen euch auch gerne, falls ihr wirklich mal Hilfe braucht. Ein Lächeln ist Dank genug. Habt also Mut und macht euch selbst ein Bild.

Grundsätzlich ist das brasilianische Volk ein sehr offenherziges, fideles und kommunikatives Volk. Besuchern aus Europa gegenüber ist man sehr neugierig. Das macht Spaß und man kann ruhig das Gespräch suchen. Man weiß nie, wohin das führen kann.


Brasilianische Frauen zeigen was sie haben. Davon sind die lokalen Männerherzen geprägt. Tiefste Dekolletés und gewagte Miniröcke sind komischerweise bei fremden Frauen ein eher anrüchiges Zeichen. Keine Ahnung warum. So kann es dann mal sein, dass man von einem angetanen Verehrer die Bezeichnung „gostosa“ (hübsch) oder andere Anmachen ertragen darf/muss. Blond und Blauäugig kommt jedenfalls gut an. Ihr seid in Brasilien die Exotischen, das kann auch positiv sein.


Absagen sollte man humorvoll oder locker halten. Harsche Reaktionen können Frust auslösen. Also nicht zu streng mit den brasilianischen Machos umgehen 😊 Klare Zeichen und die einfache Aussage, dass ihr lieber allein sein möchtet reichen schon.

Gelegentlich übertreiben es die Männer auch etwas und pfeifen oder rufen euch hinterher. Das kann das Selbstbewusstsein stärken, ist ungefährlich und falls ihr schon selbstbewusst seid (das seid ihr!), haben euch diese Männer eh nicht verdient. Wenn ihr euch unwohl fühlt, scheut euch nicht davor, Grenzen zu ziehen oder euch zurückzuziehen. Fotos von Kindern auf eurem Handy können genutzt werden, um eine eigene Familie als Notlüge aufzubauen.


Wenn ein Brasilianer mal zu hartnäckig oder zu selbstverliebt daherkommt, dann macht es sich gut wenn ihr einen Freund – „Namorado“, vorgeben könnt. Irgendein glücklicher Reisender, den ihr kurz vorher kennengelernt habt, wird genügen. Dann macht ihr den schon mal glücklich 😊


Als Frau kann man sich mit anderen Hotelbewohnern oder Mitausflüglern von tagsüber auch für den Abend verabreden. Die ganze Zeit alleine sein will eh kein Mensch. Internationale Meetups in Facebook-Gruppen oder bei Couchsurfing sind auch eine gute Idee, um schnell Kontakt zu anderen Reisenden zu finden.


Große Menschenansammlungen sollen gut sein, wenn ihr allein unterwegs seid. Großveranstaltungen wie der Karneval können ins Gegenteil kippen, weil dort die Zungen noch lockerer sind. Habt das im Hinterkopf.


Hier noch ein paar Gesprächsbrocken zum Üben:


  • Onde está seu marido? – Wo ist dein Ehemann?

  • Ele se senta em casa, na Alemanha, e lava a roupa. - Der sitzt zuhause in Deutschland und macht die Wäsche.

  • Eu o escondi no cofre do hotel - Den hab ich im Hotelsafe versteckt.

  • Eu ainda não tenho marido e isso é uma coisa boa. - Ich habe noch keinen Ehemann, das ist auch gut so.

  • Estou viajando sozinha, é mais divertido. - Ich bin allein auf reisen, das macht mehr Spaß.

  • Você é muita gostosa / bonita – Du bist sehr “lecker”/hübsch.

  • Eu prefiro ficar sozinha. - Ich möchte lieber allein sein.

  • Eu não quero falar com você agora. - Ich möchte jetzt nicht mit dir reden.

  • Eu não quero isso. - Das möchte ich nicht.

  • Pare, isto é o mais longe que você pode ir! - Stopp, bis hier und nicht weiter!

Falls ihr noch mehr auf Portugiesisch lernen wollt, schaut doch mal bei unserem Sprachkurs vorbei. Ihr könnt auch Unterrichtsstunden mit unserer brasilianischen Lehrerin buchen.


Was tun im Notfall?


  • Ruhe bewahren und die Situation pragmatisch bewerten:

  • o Fakten, Optionen sammeln, Risiken und Chancen abwägen, Entscheidungen fällen, ausführen.

  • Wenn ihr eine Reise mit uns gebucht habt, könnt ihr über das Notfalltelefon auch über Whatsapp in Kontakt treten. Wir helfen euch.

  • Habt immer eine Visitenkarte eurer Unterkunft dabei, lasst euch dort helfen.

  • Merkt euch den Namen der Unterkunft, damit ihr dorthin gebracht werden könnt.

  • Ist Polizei in der Nähe? Dann dort Kontakt aufnehmen.

  • Sind öffentliche Gebäude in der Nähe? Sammelt euch dort und überlegt, was zu tun ist.

Fazit

Gesunder Menschenverstand und Bauchgefühl bringt euch am weitesten. Brasilien ist ein Schwellenland mit Schwellenlandproblemen. Das kann man nicht leugnen. Bringt Dinge ins Verhältnis und seid euch bewusst, dass wir hier von Ausnahmefällen reden. Denn eins ist klar: die Brasilianer haben bessere Dinge zu tun, als euch Böses zu wollen.


Brasilianer sterben doppelt so oft an Krebs als an Morddelikten. Eine gerechtere Einkommensverteilung sorgt für Wohlstand und weniger Kriminalität.


Für uns überwiegt die Schönheit des Landes und die Lebensfreude der Brasilianer die Angst, dass etwas passieren könnte. Bringt den Mut auf und macht euch selbst ein Bild von diesem großartigen Land und seinen liebenswerten Menschen.


Zusammenfassung aller Tipps für eure Sicherheit

  • Papaya

  • Reisepasskopie bei euch, Original im Safe.

  • Abends eher mit Bargeld als Karte zahlen.

  • Tagsüber Geld abheben und auf direktem Weg zur Unterkunft.

  • Kein werthaltiger Schmuck.

  • Hosen/Potaschen nur sparsam bis gar nicht einsetzen.

  • Rucksack bei Menschenansammlungen auf den Bauch.

  • Wertsachen nicht sichtbar und greifbar liegen lassen.

  • Nicht lang mit dem Handy/Tablet in der Hand herumlaufen.

  • Tagsüber große Kamera, Abends höchstens die Kleine.

  • Zu zweit am Strand: einer geht planschen, der andere passt auf Wertsachen auf.

  • Vor Sonnenbrand schützen.

  • Uber oder Taxi statt im Dunkeln herumlaufen.

  • Taxifirmen von Unterkunft empfehlen lassen.

  • Gesunde Vorsicht bei „Straßen und- Strandsnacks“.

  • Alkohol nicht aus den Augen verlieren.

  • Keine Drogen.

  • Rucksack/Koffer am Abend vor Abreise packen, nichts vergessen.

  • Das alleinige Betreten von Problemzonen meiden.

  • Wissen, welche Problemzonen es in einer Stadt gibt.

  • Mut und Selbstbewusstsein: lasst euch keine Angst machen.

  • Lernt ein paar Sätze Portugiesisch.

  • Ruhe bewahren im Notfall.

Quellenangabe


https://www.brasilieninsider.de/frauen-unterwegs/?cookie-state-change=1620894823488

https://worldpopulationreview.com/country-rankings/crime-rate-by-country

https://www.statista.com/statistics/869714/number-homicides-brazil-state/

https://en.wikipedia.org/wiki/Military_dictatorship_in_Brazil


Fotonachweise

Photo by why kei on Unsplash

Marco und Uwe Sieber


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